Sommer in der Stadt: Zwischen Reihenhäusern, Mehrfamilienblöcken und Grüninseln werden Straßen zu Spielplätzen, Parkplätze zu Picknickflächen, Kinder malen mit Kreide bunte Bilder auf den Asphalt, irgendwo raucht ein Grill, klappert Geschirr, und Menschen, die sich sonst nur vom Grüßen kennen, stehen nebeneinander am Kuchenbuffet. Ob in Mainz oder Frankfurt, Wiesbaden oder Ingelheim – diese kleinen Nachbarschaftswunder könnt ihr auch organisieren!
Kein großes Event, kein Eintritt, keine Bühne - trotzdem fühlt es sich für einen Tag an wie ein Festival mitten im Viertel. Die beste Zeit für die Vorbereitung ist jetzt, in den Sommerferien. Alle haben Zeit zum Anpacken, und schon wird aus einer ganz normalen Straße plötzlich ein Ort, an dem Kinder bestimmen, Erwachsene sich neu kennenlernen und näher zusammenrücken.
Ein Straßenfest ist kein Selbstläufer – aber genau das macht es so wertvoll. Denn alles, was hier entsteht, ist selbst organisiert, gestaltet, getragen von vielen kleinen Ideen. Und die Kinder sind nicht nur „dabei“, sie können aktiv mitwirken: Einladungen malen, Spielstationen erfinden, beim Aufbau helfen, kleine Programmpunkte vorbereiten. Dann erleben sie, dass ihre Straße ihnen gehört – zumindest für einen Tag. Und ganz nebenbei wird aus dem „Mann aus Hausnummer 12“ plötzlich Stefan, der super Fußball spielt, und aus „der Familie mit dem Hund“ werden neue Freunde.
1. Die Idee nimmt Form an
Damit aus der ersten Idee etwas Konkretes wird, gilt es, andere mit ins Boot zu holen. Das funktioniert oft am besten direkt – durch ein Gespräch an der Haustür, einen Aushang im Hausflur oder eine Nachricht in der Hausgemeinschaft. Ziel ist ein erstes Treffen, bei dem gemeinsam überlegt wird, wie groß das Fest werden soll, ob es eher gemütlich oder bewusst aufwändiger gestaltet wird und welche Familien Lust haben, sich aktiv einzubringen.
2. Timing ist alles
Wochenenden sind ideal, gleichzeitig sollten Ferienzeiten berücksichtigt werden, da viele Familien dann verreist sind. Auch andere Veranstaltungen im Viertel können eine Rolle spielen, ebenso wie das Wetter, weshalb ein Plan B – etwa in Form von Pavillons – Gold wert sein kann. Realistisch betrachtet sollten zwischen der ersten Idee und dem eigentlichen Fest etwa sechs bis acht Wochen liegen – perfekt also für euer Sommerferienprojekt.
3. Genehmigungen: Ohne geht es nicht
Sobald öffentlicher Raum genutzt wird, ist eine offizielle Genehmigung erforderlich. Die Sperrung der Straße muss bei der zuständigen Behörde beantragt werden, ebenso die Klärung möglicher Verkehrsumleitungen. Zuständig sind in der Regel das Ordnungsamt sowie das Straßenverkehrsamt, wobei die konkreten Anlaufstellen und Anforderungen je nach Stadt variieren. Typischerweise geht es um die Straßensperrung oder Teilnutzung, die Einhaltung von Rettungswegen, Regelungen zum Lärmschutz sowie die Dauer der Veranstaltung. In manchen Städten werden zusätzlich ein Sicherheitskonzept oder eine Haftpflichtversicherung verlangt, weshalb eine frühzeitige Anfrage wichtig ist.
4. Sicherheit mitdenken
Ein gut organisiertes Fest wird unbeschwert, weil im Hintergrund vieles bedacht wurde. Besonders wichtig ist, dass Rettungsfahrzeuge jederzeit durchkommen können, dass Grillstellen und offene Flammen nur in sicheren und genehmigten Bereichen genutzt werden, dass keine Stolperfallen durch Kabel oder lose Gegenstände entstehen und dass klare Absprachen zur Aufsicht bei Kinderaktionen getroffen werden. Am besten benennt man ein bis zwei Personen, die während des Festes als Ansprechpartner:in bereitstehen.
5. Das Herzstück des Festes
Beim Programm wird es bunt, und jetzt sollten Kinder unbedingt mitgestalten dürfen. Oft sind es die einfachen Dinge, die am besten funktionieren. Dazu gehören Straßenkreide-Aktionen, Spieleparcours mit Klassikern wie Eierlauf, Sackhüpfen oder Dosenwerfen, Basteltische oder Schminkecken sowie Tore für Ballspiele. Manche organisieren auch eine Hüpfburg oder Wasserspiele, wenn der Platz es zulässt. Für alle gemeinsam eignen sich Musik über eine Playlist oder einen Nachbarschafts-DJ (beachtet hier die Meldepflicht bei der GEMA), Mitmachaktionen und ein Mitbringbuffet, zu dem jeder etwas beisteuert.
6. Viele Schultern, leichte Last
Ein Straßenfest lebt davon, dass sich viele beteiligen. Damit das gelingt, sollten Aufgaben klar verteilt werden. Dazu gehören die Planung und die Genehmigungen, Essen und Getränke, das Spiel- und Bühnenprogramm, der Auf- und Abbau sowie die Kommunikation mit der Nachbarschaft. Erfahrungsgemäß gilt: Je konkreter eine Aufgabe formuliert ist, desto eher findet sich jemand, der sie übernimmt.
7. Der erste Funke Vorfreude
Sobald Termin und Programm stehen, wird eingeladen. Neben Aushängen oder Zetteln im Briefkasten können Kinder Einladungen gestalten, kleine Poster im Viertel aufgehängt werden oder persönliche Ansprachen mit einem einfachen „Kommt vorbei!“ erfolgen. Wer sich wirklich eingeladen fühlt, kommt in der Regel auch!
8. Der große Tag
Wenn der Tag gekommen ist, darf die Planung in den Hintergrund treten. Nicht alles wird perfekt laufen – vielleicht fehlt eine Schüssel, vielleicht spielt das Wetter kurz nicht mit oder die Musik startet nicht sofort. Das gehört dazu. Ein gelungenes Straßenfest erkennt man nicht an Perfektion, sondern daran, dass Menschen bleiben, lachen und miteinander ins Gespräch kommen.
9. Gemeinsam abschließen
Der gemeinsame Abbau stärkt das Gefühl, etwas zusammen geschafft zu haben. Schön ist es außerdem, ein Dankeschön in Form einer Nachricht am Schwarzen Brett oder in den Briefkästen zu hinterlassen. Ein Foto und die Frage, ob man das Fest im nächsten Jahr wiederholen möchte, sorgen für schöne Erinnerungen – und machen Vorfreude aufs nächste Fest.
Anlaufstellen für Genehmigungen
Für ein familienfreundliches Straßenfest mit Straßensperrung sind in der Regel das Ordnungsamt, die Veranstaltungskoordination sowie die Straßenverkehrsbehörde zuständig. Hier die konkreten Anlaufstellen und die empfohlenen Fristen
Frankfurt
Für Straßenfeste empfiehlt das Service-Center eine möglichst frühe Abstimmung, da häufig mehrere Genehmigungen erforderlich sind. Aus der Verwaltungspraxis sollte mit mindestens 8 bis 12 Wochen Vorlauf gerechnet werden.
Amt für Straßenbau – Sondernutzungen
Adam-Riese-Str. 25
60327 Frankfurt
069-21235451
sondernutzungen.amt66@stadt-frankfurt.de
Mainz
Die Stadt empfiehlt ausdrücklich, Anträge einschließlich Lageplänen und Unterlagen spätestens drei Monate vor der Veranstaltung einzureichen, da zahlreiche Fachstellen beteiligt werden müssen.
Stadtverwaltung Mainz
Standes-, Rechts- und Ordnungsamt
Zentrale Koordinierungsstelle Veranstaltungen
Stadthaus, Kreyßig-Flügel
Kaiserstr. 3 – 5
55116 Mainz
Wiesbaden
Da für Straßenfeste mehrere Behörden beteiligt werden, empfiehlt sich eine Antragstellung mindestens 8 bis 12 Wochen vorher. Das Veranstaltungsbüro übernimmt die Abstimmung mit den beteiligten Fachämtern und der Polizei.
Veranstaltungsbüro Wiesbaden im Ordnungsamt
Stielstr. 3 | 65201 Schierstein | 0611-314546
ordnungs-und-gewerbebehoerde@wiesbaden.de
Musik & GEMA – kurz erklärt
Läuft auf eurem Straßenfest Musik, muss dies bei der GEMA angemeldet werden – auch ohne Eintritt. Entscheidend ist, dass das Fest öffentlich zugänglich ist. Das gilt für Playlists genauso wie für DJs oder Livemusik. Beispiel: Ihr spielt oder streamt ununterbrochen Musik von 12 bis 22 Uhr, habt etwa 60 bis 120 Gäste, dann kostet die GEMA-Gebühr für den Tag rund 49 Euro.
