Schule

Schulverweigerung

TH · 02.08.2017

Montag Morgen, 7.50 Uhr, Parkplatz der Grundschule. Zwei Lehrinnen und der Vater des Mädchens zerren seit 15 Minuten an dem Kind. Sarah schreit, weint, tobt und klammert sich mit unglaublicher Kraft am Griff des PKWs. Sie will nicht in die Schule. Sie will nach Hause, in vertraute Umgebung. Nicht, dass sie Probleme in der Schule hätte. Sie ist eine gute Schülerin, hat Freundinnen und kommt auch mit ihrer Lehrerin ganz gut zurecht. Doch seit einigen Wochen weigert sie sich in die Schule zu gehen. Genauer, seit ihre Mutter die Familie verlassen hat. Seitdem ist nichts mehr wie zuvor. Anfänglich gab sie vor, Bauchschmerzen zu haben und durfte dann auch zu Hause bleiben. An manchen Tagen blieb sie morgens einfach im Bett liegen, unfähig aufzustehen. Der Kinderarzt wurde konsultiert, eine Kinderpsychologin herangezogen, irgendwann auch ein Klinikaufenthalt in Betracht gezogen. Diverse Medikamente wurden verschrieben, eingenommen, halfen aber nicht. Die Spirale drehte sich stetig abwärts.

Sarahs Schulverweigerung ist eindeutig auf die familiäre Situation zurückzuführen. Ihr wurde der wichtigste soziale Halt im Leben genommen. Der Vater ist mit ihr und dem kleinen Bruder eindeutig überfordert.

Familiäre Probleme sind eine von vielen möglichen Ursachen für Schulverweigerung. Andere Gründe können auch in der Persönlichkeit des Kindes liegen, zum Beispiel aufgrund fehlender Erfolgserlebnisse. Manche Kinder erleiden in der Schule auch ausgeprägte Angst – vor Prüfungen, vor Lehrern oder vor Mitschülern. Soziale Probleme im Miteinander, fehlende Kontakte und Freunde verhindern, dass Kinder aktiv am Unterricht teilnehmen. Einige Kinder erkennen auch keinen Sinn im Schulbesuch und im Lernen. Die Hintergründe und Auslöser sind vielseitig und vielschichtig. Kinder und Jugendliche verweigern entweder aktiv durch Fernbleiben oder passiv durch gedankliche Abwesenheit im Unterricht. Sie sitzen dort nur ihre Zeit ab.

 

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