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Sprachhilfe für schwangere Frauen auf der Flucht

Presse · 09.04.2018

Frauen, die trotz einer Schwangerschaft aus ihrem Heimatland fliehen oder auf der Flucht ungewollt schwanger wurden, haben es besonders schwer. Meistens sprechen sie weder Deutsch noch kennen sie sich mit dem deutschen Gesundheitssystem aus. Die Kommunikation mit Ärztinnen, Hebammen oder Beratungsstellen wird oft durch die gegenseitigen Sprachbarrieren erschwert.  Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der Katharina-Zell-Stiftung beschlossen, den Förderschwerpunkt der Stiftung in diesem Jahr auf die Verbreitung des MedGuides zu legen. Dieser medizinische Sprachführer ist eine Art „Handbuch“ für die Verständigung mit schwangeren fremdsprachlichen Patientinnen. Es gibt ihn in den Sprachen arabisch/farsi, türkisch/russisch und tigrinya/kurdisch. Auf 136 Seiten greift der MedGuide Fragen auf, die wichtig für die Beratung und Behandlung der Frauen sind. Er ist mit zahlreichen aussagekräftigen Illustrationen bebildert, so dass ein Austausch mit der schwangeren Frau auch möglich ist, wenn keine Dolmetscherin zur Verfügung steht. „Der MedGuide ist ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, die Gegebenheiten rund um die Schwangerschaft und die Geburt zu erklären“, erklärt Lydia Bergerhausen, Mitglied im Vorstand der Stiftung des Landesverbands Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. „Daher unterstützen wir 2018 die Verteilung des MedGuides an Beratungsstellen auf dem Gebiet der hessen-nassauischen Kirche.“ Antragsberechtigt sind alle Stellen, die schwangere geflüchtete Frauen beraten.

Das Bestellformular für den MedGuide kann auf der Homepage der Stiftung heruntergeladen oder unter info@katharina-zell-stiftung angefordert werden.  Durch eine zweckgebundene Spende ist die Stiftung in der Lage, einen Betrag von 2.500 Euro zur Verfügung zu stellen, ein MedGuide kostet 24,80 Euro. Weitere Spenden für das Projekt MedGuide werden gerne entgegengenommen.

 Frauen haben oftmals – gebunden durch Pflege- und Fürsorgeverantwortung – nicht die Chance, vor Krieg und Gewalt zu fliehen. Entschließen sie sich doch zur Flucht, sind sie von sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung und Ausbeutung bedroht. Auch im Ankunftsland ist das Bewusstsein dafür, dass das Geschlecht die Chance auf Flucht und die Erfahrungen der Flucht selbst grundlegend formt, wenig präsent. „Dass wir als eine der reichsten Ankunftsgesellschaften der Welt eine medizinische und psychologische Unterstützung von Frauen mit Fluchterfahrung bereitstellen, ist unser Ziel und unserer Verantwortung“, betont Bergerhausen. „Wir leben in sicheren Städten und Dörfern, wir haben keine Freunde, Geschwister oder Kinder durch Waffen und Hunger oder zerstörte Krankenhäuser verloren. Menschen, die flüchten müssen, brauchen unsere Solidarität und Unterstützung.“

Dementsprechend setzt sich die Katharina-Zell-Stiftung in der öffentlichen Debatte und mit finanziellen Mitteln dafür ein, dass Frauen, die fliehen mussten, besseren Schutz und nachhaltige Unterstützung erhalten. Seit 2015 fördert die Stiftung Projekte, die dazu beitragen, dass die Integration von geflüchteten Menschen gelingen kann. Dadurch konnte zum Beispiel ermöglicht werden, dass traumatisierte geflüchtete Frauen muttersprachliche Therapeutinnen aufsuchen konnten und Mädchen in einem geschützten Rahmen nach ihren Fluchterlebnissen wieder Geborgenheit und Vertrauen erfuhren. Für dieses Engagement und die Spendenaktion „Gewalt kann einpacken“ erhielt die Stiftung 2015 die Auszeichnung „Stiftung des Monats“.

Die Stiftung bezieht sich in ihrem Selbstverständnis auf die Aussage ihrer Namensgeberin Katharina Zell (Reformatorin, 1497-1562): „Wir sind auch nit gezwungen gewesen eines jeden Meinung oder Glaubens zu sein, sind aber schuldig gewesen, einem jeden Lieb, Dienst und Barmherzigkeit zu beweisen...“ Diesem mutigen Wort, das bis heute an Aktualität nichts verloren hat, fühlt sich die Stiftung verpflichtet.

Katharina-Zell-Stiftung

Die Katharina-Zell-Stiftung wurde 2007 mit einem Stammkapital von rund 300.000 Euro als Stiftung des Landesverbands Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e. V. gegründet. Sie fördert die Arbeit des Verbands und unterstützt Initiativen, Projekte und Einrichtungen im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit dem Ziel, die persönliche, berufliche und familiäre Situation von Frauen, Mädchen und Familien zu verbessern.

Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. ist ein Mitglieder- und Dachverband für Frauen- und Familienarbeit auf dem Gebiet der hessen-nassauischen Kirche. Der Verband ist die Stimme evangelischer Frauen in Kirche und Gesellschaft. Er unterstützt die Arbeit von und mit Frauen in kirchlichen Bezügen und ermutigt Frauen, in der heutigen Welt als Christinnen zu leben. Mit frauenspezifischer Kompetenz und Sicht setzt der Verband theologische, spirituelle, sozialdiakonische und politische Impulse. Zum Verband gehören 247 Mitgliedsgruppen, 65 Kirchengemeinden, 17 Frauenverbände und 330 Einzelmitglieder.

Tags: Beratung , Geburt , Schwangerschaft

Kategorien: Aktuelles , Schwangerschaft & Geburt